Glühwein selber machen ist einfach. Trotzdem schmeckt der eigene oft dünner als der vom Markt, und dafür gibt es einen technischen Grund, den kaum ein Rezept nennt.
Es liegt an der Temperatur. Alkohol siedet bei etwa 78 Grad, Wasser erst bei 100. Wer Glühwein kochen lässt, treibt den Alkohol aus, und mit ihm die Aromen, die daran gebunden sind.
Hier stehen das Grundrezept, die richtige Temperatur, welcher Wein taugt und was der Schuss im Glühwein rechtlich bedeutet.
Kurz vorweg: 70 bis 75 Grad, niemals mehr. Der Glühwein darf dampfen, aber nie Blasen werfen.
- Das Grundrezept
- Die Temperatur entscheidet
- Welcher Wein eignet sich?
- Die Gewürze und ihre Reihenfolge
- Glühwein mit Schuss
- Weißer Glühwein
- Wie viel Alkohol hat Glühwein?
- Und die Feuerzangenbowle?
- Alkoholfreie Variante
- Wenn er nicht schmeckt
- Häufige Fragen
Das Grundrezept
Für 1 Liter, etwa 5 Gläser
- 1 Flasche trockener Rotwein, 0,75 l
- 1 unbehandelte Orange
- 2 Zimtstangen
- 4 Gewürznelken
- 2 Sternanis
- 2 bis 4 EL Zucker oder Honig, je nach Wein
- optional 1 Stück frischer Ingwer
So gehst du vor
- Orange heiß abwaschen und in Scheiben schneiden. Zwei Scheiben mit den Nelken spicken.
- Wein in einen Topf geben und langsam erwärmen. Nicht auf voller Stufe.
- Gewürze und Orange dazu, sobald der Wein handwarm ist.
- Bei 70 bis 75 Grad ziehen lassen, etwa 20 bis 30 Minuten. Der Wein darf dampfen, aber keine Blasen werfen.
- Zucker erst am Ende einrühren und abschmecken. Wie viel nötig ist, hängt stark vom Wein ab.
- Gewürze entfernen und servieren.
Ergibt etwa 9 bis 11 % vol, je nach Ausgangswein und Erhitzungsdauer.
Die Temperatur entscheidet
Das ist der Punkt, an dem selbst gemachter Glühwein meistens verliert.
Alkohol siedet bei 78,4 Grad, Wasser bei 100. In einer Mischung verdampft der Alkohol nicht schlagartig bei dieser Marke, aber deutlich schneller als das Wasser. Je höher die Temperatur und je länger sie gehalten wird, desto mehr geht verloren.
Was dabei außerdem verschwindet: Die Aromastoffe aus Wein und Gewürzen sind größtenteils flüchtig und an den Alkohol gebunden. Wer den Alkohol austreibt, verliert gleichzeitig den Geschmack. Übrig bleibt gesüßter, gewürzter Traubensaft.
| Temperatur | Was passiert |
|---|---|
| 60 Grad | zu kühl, die Gewürze geben ihr Aroma kaum ab |
| 70 bis 75 Grad | ideal. Gewürze ziehen, Alkohol bleibt weitgehend erhalten |
| 80 Grad | merklicher Alkoholverlust, Aromen werden flacher |
| ab 90 Grad | der Wein wird bitter, die Fruchtnoten verschwinden |
Ohne Thermometer: 70 bis 75 Grad erkennt man daran, dass der Wein sichtbar dampft, sich aber noch keine Bläschen am Topfrand bilden. Sobald es am Rand perlt, ist es zu heiß.
Beim Aufwärmen gilt dasselbe. Deshalb wird Glühwein mit jedem Aufwärmen schwächer und flacher. Besser nur die Menge erhitzen, die getrunken wird, und den Rest kalt stehen lassen.
Welcher Wein eignet sich?
Die Antwort liegt zwischen den zwei verbreiteten Extremen.
Der billigste Wein taugt nicht. Fehler im Wein verschwinden nicht durch Zucker und Zimt, sie werden durch die Wärme sogar deutlicher. Wer einen Wein nicht kalt trinken würde, sollte ihn auch nicht erhitzen.
Der teuerste ebenso wenig. Was einen guten Wein ausmacht, also feine Aromen und Struktur, geht beim Erhitzen und unter Gewürzen ohnehin verloren. Dafür ist es zu schade.
Die Regel: ein einfacher, ehrlicher Wein im Bereich von vier bis sieben Euro. Und er sollte diese drei Eigenschaften haben:
- Trocken. Der Zucker kommt später dazu und lässt sich dosieren. Ein lieblicher Wein macht den Glühwein unweigerlich zu süß.
- Kräftig, aber nicht zu tanninreich. Tannine werden beim Erwärmen bitter. Gut geeignet sind Spätburgunder, Dornfelder, Merlot oder Primitivo, weniger ein junger Cabernet.
- Nicht im Holzfass ausgebaut. Vanille- und Röstnoten aus dem Fass beißen sich mit Zimt und Nelke.
Und aus unserem Sortiment? Ehrlich gesagt: Unsere Weine sind Winzerweine und für Glühwein zu schade. Der Schumann Nägler Spätburgunder wäre von der Rebsorte her passend, aber einen Wein dieser Qualität zu erhitzen und zu zuckern, wäre Verschwendung. Für Glühwein reicht ein einfacher Rotwein aus dem Handel.
Wo wir dagegen etwas beitragen können, ist der Schuss. Dazu gleich mehr.
Die Gewürze und ihre Reihenfolge
| Gewürz | Menge pro Liter | Hinweis |
|---|---|---|
| Zimtstange | 2 Stück | Immer ganze Stangen. Zimtpulver macht den Glühwein trüb und mehlig |
| Gewürznelken | 4 bis 6 | Sehr dominant. Lieber zu wenig als zu viel |
| Sternanis | 2 Stück | Gibt die weihnachtliche Tiefe |
| Orange | 1 Stück | Unbehandelt, sonst landen Rückstände im Glas |
| Ingwer | 1 Scheibe | Optional, macht den Glühwein wärmer im Abgang |
| Kardamom | 2 Kapseln | Optional, geht in Richtung Chai |
Der wichtigste Punkt: Ganze Gewürze statt gemahlener. Pulver löst sich nicht auf, sinkt zu Boden und macht den letzten Schluck sandig.
Zur Ziehzeit: 20 bis 30 Minuten sind ideal. Länger wird es nicht besser, sondern bitter, weil Nelken und Zimt dann Gerbstoffe abgeben. Wer vorbereiten will, lässt die Gewürze nach dreißig Minuten heraus und erwärmt den Glühwein später ohne sie.
Glühwein mit Schuss
Ein Detail, das die wenigsten wissen: Sobald Alkohol dazukommt, ist es rechtlich kein Glühwein mehr. Die deutsche Verordnung erlaubt nur Wein, Süßung und Gewürze. Alles andere heißt dann korrekt "Glühwein mit Schuss" oder "Winzerglühwein-Mischung".
Für den Hausgebrauch spielt das keine Rolle, für das Verständnis schon: Der Schuss macht aus dem Getränk etwas anderes, und er sollte deshalb bewusst gewählt werden.
| Schuss | Menge pro Glas | Was er bewirkt |
|---|---|---|
| Brauner Rum | 2 cl | Karamell und Vanille, der Klassiker vom Weihnachtsmarkt |
| Amaretto | 2 cl | Marzipan und Mandel, macht den Glühwein runder und süßer |
| Kräuterlikör | 2 cl | Herber Gegenpol, gut wenn der Glühwein zu süß geraten ist |
| Weinbrand | 2 cl | Neutral wärmend, verstärkt den Wein ohne eigene Note |
| Orangenlikör | 2 cl | Verstärkt die Zitrusnote aus der Orange |
Wichtig: Der Schuss kommt ins Glas, nicht in den Topf. Im heißen Topf verdampft er sofort, und dann hat man Aroma verloren und Alkohol dazu. Ins Glas gegeben bleibt beides erhalten.
Aus unserem Sortiment passen drei Sorten, je nachdem wohin es gehen soll:
- Piratengold mit 35 % vol, ein Rum-Verschnitt mit Karamellnote. Die klassische Wahl.
- Sogno Dell'Amore mit 20 % vol, Amaretto mit Mandelaroma. Für die weichere Richtung.
- Waidgesell Kräuterlikör mit 35 % vol. Wenn der Glühwein Gegengewicht braucht.
Der Klassiker für den Schuss
Piratengold
Ansehen
Weißer Glühwein
Milder, säurebetonter und deutlich weniger verbreitet, obwohl er vielen besser schmeckt als der rote.
- 1 Flasche trockener Weißwein, 0,75 l
- 1 unbehandelte Zitrone statt Orange
- 2 Zimtstangen
- 3 Gewürznelken
- 1 Vanilleschote, aufgeschlitzt
- 2 EL Honig
Die Unterschiede zum roten: Vanille statt Sternanis, Zitrone statt Orange, Honig statt Zucker. Und weniger Nelken, weil sie den leichteren Wein sonst erschlagen.
Als Wein passt ein trockener Riesling, Silvaner oder Grauburgunder. Hier lohnt sich etwas mehr Qualität als beim roten, weil der Wein deutlicher durchschmeckt.
Wie viel Alkohol hat Glühwein?
| Variante | Alkoholgehalt |
|---|---|
| Ausgangswein | 12 bis 13 % vol |
| Glühwein, richtig erhitzt | 9 bis 11 % vol |
| Glühwein, zu heiß oder lang gekocht | 5 bis 8 % vol |
| Mit 2 cl Rum im Glas | ca. 13 % vol |
| Gesetzlicher Rahmen in Deutschland | mindestens 7, höchstens 14,5 % vol |
Ein Glas mit 0,2 Litern enthält also etwa so viel Alkohol wie ein normales Glas Wein. Weil Glühwein warm getrunken wird, gelangt der Alkohol allerdings schneller ins Blut. Das ist der Grund, warum zwei Becher auf dem Weihnachtsmarkt stärker wirken als zwei Gläser Wein am Tisch.
Und die Feuerzangenbowle?
Sie basiert auf Glühwein, geht aber einen Schritt weiter: Über den Topf kommt eine Zange mit einem Zuckerhut, der mit hochprozentigem Rum getränkt und angezündet wird. Der karamellisierte Zucker tropft in den Wein.
Was man wissen sollte: Der Rum muss mindestens 54 % vol haben, sonst brennt er nicht. Und beim Nachgießen wird die Flasche immer vom Topf weggehalten, sonst kann die Flamme in die Flasche zurückschlagen. Das ist der Grund, warum es dazu regelmäßig Unfälle gibt.
Wer die Karamellnote ohne offenes Feuer will: zwei Esslöffel Zucker in einem Topf goldbraun karamellisieren, mit etwas Glühwein ablöschen und unterrühren. Geschmacklich sehr nah dran, ohne Brandgefahr.
Alkoholfreie Variante
Das Grundproblem: Ohne Alkohol fehlt der Träger für die Aromen, und es bleibt gesüßter Saft. Zwei Dinge lösen das:
- Roter Traubensaft statt Wein, aber verdünnt mit einem Viertel Wasser oder kaltem schwarzem Tee. Der Tee bringt Gerbstoffe mit, die dem Wein ähneln.
- Mehr Säure. Der Saft einer halben Zitrone pro Liter, sonst ist es zu süß.
Gewürze wie beim roten Glühwein, aber ohne zusätzlichen Zucker. Traubensaft bringt genug mit.
Zur Klarstellung: Das ist dann Kinderpunsch, nicht alkoholfreier Glühwein. Echter entalkoholisierter Wein wäre die näherliegende Basis, ist aber schwerer zu bekommen.
Wenn er nicht schmeckt
| Problem | Ursache | Was du tun kannst |
|---|---|---|
| Schmeckt dünn und flach | zu heiß erhitzt, Alkohol verdampft | Bei 70 bis 75 Grad bleiben, nie kochen lassen |
| Bitter | Gewürze zu lange gezogen oder tanninreicher Wein | Nach 30 Minuten die Gewürze entfernen |
| Zu süß | lieblicher Wein als Basis | Immer trockenen Wein nehmen, Zucker später dosieren |
| Trüb und sandig | gemahlene Gewürze | Nur ganze Zimtstangen, Nelken und Sternanis |
| Nelke dominiert alles | zu viele Nelken | Vier pro Liter reichen, sie sind sehr kräftig |
| Bitter durch Zitrusschale | Orange mit weißer Haut mitgekocht | Dünn abgeschnittene Scheiben, nicht zu lange ziehen lassen |
Passende Spirituosen für die Weihnachtszeit
Neben dem Schuss im Glühwein passen zur Saison auch unsere selbst gemachten Weihnachtsliköre und der Bratapfellikör. Wer noch etwas zum Verschenken sucht, wird unter Likör fündig.
Der herbe Gegenpol zum süßen Glühwein
Waidgesell Kräuterlikör
Ansehen
Häufige Fragen zu Glühwein
Wie heiß darf Glühwein werden?
Höchstens 70 bis 75 Grad. Alkohol siedet bei etwa 78 Grad, und mit ihm gehen die Aromen verloren. Der Glühwein darf dampfen, aber keine Blasen werfen.
Welcher Wein eignet sich für Glühwein?
Ein einfacher trockener Rotwein zwischen vier und sieben Euro, kräftig aber nicht zu tanninreich. Gut passen Spätburgunder, Dornfelder oder Merlot. Nicht geeignet sind liebliche Weine und solche aus dem Holzfass.
Wie viel Prozent hat Glühwein?
Richtig erhitzt etwa 9 bis 11 Prozent vol. Gesetzlich sind in Deutschland mindestens 7 und höchstens 14,5 Prozent vorgeschrieben. Zu heiß erhitzt sinkt der Gehalt deutlich.
Was kommt in Glühwein mit Schuss?
Meist 2 cl brauner Rum, Amaretto oder Kräuterlikör pro Glas. Wichtig ist, den Schuss ins Glas zu geben und nicht in den heißen Topf, sonst verdampft er sofort.
Darf man Glühwein kochen?
Nein. Beim Kochen verdampft der Alkohol, die Aromen gehen verloren und der Wein wird bitter. Übrig bleibt gesüßter, gewürzter Traubensaft.
Kann man Glühwein wieder aufwärmen?
Ja, aber er verliert dabei jedes Mal Alkohol und Aroma. Besser nur die Menge erhitzen, die getrunken wird, und den Rest kalt stehen lassen.
Welche Gewürze gehören in Glühwein?
Zimtstangen, Gewürznelken, Sternanis und eine unbehandelte Orange. Immer ganze Gewürze verwenden, gemahlene machen den Glühwein trüb und sandig.
Wie lange müssen die Gewürze ziehen?
20 bis 30 Minuten. Danach werden sie bitter, weil Nelken und Zimt Gerbstoffe abgeben. Zum Vorbereiten die Gewürze nach dieser Zeit entfernen.
Hinweis: Dieser Beitrag richtet sich an Personen ab 18 Jahren. Alkohol in Maßen genießen.





Hinterlasse einen Kommentar
Diese Website ist durch hCaptcha geschützt und es gelten die allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzbestimmungen von hCaptcha.