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Was Gin zu Gin macht

Gin ist die am wenigsten festgelegte aller großen Spirituosen. Vorgeschrieben ist nur eines: Wacholder muss den Ton angeben. Alles andere ist offen, und deshalb schmecken zwei Gins völlig unterschiedlich, obwohl auf beiden dasselbe steht.

Daraus haben sich Stile entwickelt, die zwar nicht gesetzlich geregelt, aber allgemein verstanden sind.

London Dry

Der Klassiker: wacholderbetont, trocken, ohne Zuckerzusatz nach der Destillation. Die Bezeichnung hat nichts mit London zu tun, sondern beschreibt das Verfahren. Für einen Gin Tonic, der nach Gin Tonic schmeckt, ist das die sichere Wahl.

New Western

Wacholder tritt zurück, dafür stehen Zitrus, Blüten oder Gewürze vorne. Zugänglicher für alle, denen klassischer Gin zu herb ist. Braucht zurückhaltendes Tonic, sonst wird es zu viel.

Dark Gin

Eine neuere Richtung: dunkel in der Farbe, meist durch Botanicals oder Fasslagerung, und deutlich kräftiger im Geschmack. Trinkt sich gut pur, verlangt im Longdrink nach mehr Tonic als ein milder Gin.

Genever

Streng genommen kein Gin, sondern sein Vorläufer aus den Niederlanden. Malziger und süßer, wird traditionell pur und gekühlt getrunken.

Welches Tonic zu welchem Gin?

Beim Gin Tonic sind rund drei Viertel des Glases Tonic. Es bestimmt den Geschmack also stärker als der Gin selbst, und trotzdem greifen die meisten zur nächstbesten Flasche.

Die Regel ist einfach: Aromatischer Gin braucht zurückhaltendes Tonic, neutraler Gin verträgt ein charaktervolles. Zwei starke Partner ergeben kein doppelt gutes Ergebnis, sondern ein Durcheinander.

  • Indian Tonic, trocken und bitter durch Chinin: für klassische Wacholder-Gins
  • Mediterran, kräuterig und weniger bitter: für Gins mit Kräuter- oder Zitrusnoten
  • Elderflower, blumig: für milde, florale Gins
  • Dry Tonic, wenig Zucker: wenn der Gin im Vordergrund stehen soll

Ausführlich steht das mit Verhältnissen und Garnituren in unserem Gin-Tonic-Ratgeber.

Pur trinken

Kräftige Gins ab 44 % vol funktionieren auch ohne Tonic, dann bei Zimmertemperatur im kleinen Glas. Kälte dämpft genau die Botanicals, für die man bezahlt hat.

Wer es kühler mag, nimmt einen großen Eiswürfel statt vieler kleiner. Der verdünnt langsamer und hält den Gin trotzdem kalt.

Lagern

Gin ist klar und enthält keinen Zucker, deshalb ist er unempfindlich. Ungeöffnet praktisch unbegrenzt haltbar, geöffnet mehrere Jahre. Aufrecht lagern, dunkel und nicht zu warm.

Was sich ändert, sind die feineren Botanicals: Nach ein bis zwei Jahren geöffnet schmeckt ein Gin flacher, weil die flüchtigen Aromen entweichen. Der Wacholder bleibt, die Zitrusnoten verschwinden zuerst.

Die übrigen klaren Brände stehen unter Spirituosen.

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