Haselnusslikör

Nusslikör selber machen: Haselnuss und Walnuss richtig ansetzen

Nusslikör selber machen: Haselnuss und Walnuss richtig ansetzen

Nusslikör ist der Grund, warum im Herbst in vielen Küchen ein Einmachglas auf der Fensterbank steht. Nüsse, Zucker, Alkohol, ein paar Wochen Geduld. Das Ergebnis ist ein Likör, der nach Weihnachten schmeckt, obwohl er im September angesetzt wird.

Was viele nicht wissen: Haselnuss- und Walnusslikör sind zwei völlig verschiedene Getränke. Der eine wird aus gerösteten Nüssen gemacht und schmeckt nussig-süß, der andere aus grünen, unreifen Nüssen und schmeckt herb und würzig. Beide heißen Nusslikör, und wer das falsche Rezept erwischt, wundert sich.

Kurz vorweg: Haselnusslikör braucht geröstete Nüsse, sonst schmeckt er nach nichts. Und beim Walnusslikör entscheidet der Erntezeitpunkt: grüne Nüsse gibt es nur im Juni.


Haselnuss oder Walnuss? Der Unterschied

Beide werden Nusslikör genannt, haben aber kaum etwas gemeinsam.

Haselnusslikör Walnusslikör
Zutat reife, geröstete Haselnüsse grüne, unreife Walnüsse mit Schale
Erntezeit ganzjährig verfügbar nur Ende Juni, vor der Verholzung
Geschmack nussig, süß, rund herb, würzig, leicht bitter
Farbe hell- bis mittelbraun tiefdunkel, fast schwarz
Ziehzeit 4 bis 8 Wochen 6 bis 8 Wochen plus Reifezeit
Vergleichbar mit Frangelico Nocino, italienischer Klassiker

Für den Einstieg im Herbst: Haselnusslikör. Die Zutaten bekommt man das ganze Jahr, und das Ergebnis trifft eher den Geschmack, den die meisten von einem Nusslikör erwarten.

Der Walnusslikör ist das Projekt für Fortgeschrittene, und man muss ein Jahr im Voraus daran denken.


Haselnusslikör: das Grundrezept

Zutaten für etwa 1 Liter

  • 250 g Haselnüsse, geschält
  • 250 g brauner Kandiszucker
  • 700 ml Wodka oder Korn
  • 1 Vanilleschote, längs aufgeschnitten
  • optional: 1 Zimtstange, 2 Nelken

So gehst du vor

  1. Nüsse rösten. Bei 180 Grad etwa 10 Minuten im Ofen, bis sie duften und leicht Farbe nehmen. Zwischendurch einmal wenden. Das ist der wichtigste Schritt, dazu gleich mehr.
  2. Abkühlen und hacken. Die Nüsse grob hacken, nicht mahlen. Zu fein gemahlene Nüsse machen den Likör trüb und lassen sich schlecht abfiltern.
  3. Ansetzen. Nüsse, Kandis, Vanillemark samt Schote und die Gewürze in ein sauberes Glas geben, mit Wodka aufgießen, bis alles bedeckt ist.
  4. Ziehen lassen: 4 bis 8 Wochen kühl und dunkel. In der ersten Woche täglich schütteln, danach einmal pro Woche.
  5. Abseihen. Durch ein feines Sieb mit Küchentuch oder Kaffeefilter. Nüsse nicht auspressen, sonst wird der Likör trüb.
  6. Nachreifen. Abfüllen und mindestens zwei weitere Wochen stehen lassen. Der Likör wird dabei spürbar milder und runder.

Ergibt etwa 26 % vol und hält kühl und dunkel über ein Jahr.


Warum die Nüsse geröstet werden müssen

Das ist der Punkt, an dem die meisten selbst gemachten Nussliköre scheitern, und er steht in kaum einem Rezept mit Begründung.

Rohe Haselnüsse geben fast kein Aroma an Alkohol ab. Ihr Geschmack ist mild und fettig, das war es. Erst beim Rösten entstehen durch die Maillard-Reaktion die typischen Röstaromen, also genau das, was man später schmeckt.

Wer rohe Nüsse ansetzt, bekommt nach acht Wochen einen leicht trüben Alkohol mit Zuckergeschmack und einer Ahnung von Nuss. Wer geröstete nimmt, bekommt Nusslikör.

So röstest du richtig:

  • 180 Grad, 8 bis 12 Minuten, auf einem Blech verteilt
  • Ab Minute 8 dabeibleiben, der Übergang von duftend zu verbrannt geht schnell
  • Die Nüsse sollen goldbraun sein, nicht dunkelbraun. Verbrannte Nüsse machen den Likör bitter, und das lässt sich nicht mehr retten
  • Vollständig abkühlen lassen, bevor sie in den Alkohol kommen

Wer die Nüsse mit Haut kauft: nach dem Rösten in ein Küchentuch geben und aneinander reiben, dann löst sich die Haut. Sie ist nicht schädlich, macht den Likör aber leicht bitter.


Walnusslikör aus grünen Nüssen

Der Klassiker aus Italien heißt Nocino und wird traditionell um den Johannistag am 24. Juni angesetzt. Der Grund ist praktisch: Die Nüsse müssen so weich sein, dass man sie mit einem Messer durchschneiden kann. Ab Anfang Juli verholzt die Schale, dann geht es nicht mehr.

Zutaten für etwa 1,5 Liter

  • 25 bis 30 grüne Walnüsse, mit Schale
  • 500 g brauner Zucker
  • 1 l Wodka, Korn oder brauner Rum
  • 1 Zimtstange, 5 Nelken, Schale einer unbehandelten Zitrone
  1. Handschuhe anziehen. Grüne Walnüsse färben die Haut tiefbraun, und das hält tagelang.
  2. Nüsse waschen und vierteln, mit Schale.
  3. Alles in ein großes Glas geben und mit dem Alkohol aufgießen.
  4. 6 bis 8 Wochen an einem hellen, warmen Ort ziehen lassen, gelegentlich schütteln. Der Ansatz wird dabei tiefschwarz.
  5. Abseihen und mindestens drei Monate nachreifen lassen, besser sechs. Frisch schmeckt er scharf und bitter, mit der Zeit wird er weich und würzig.

Wer im Juni ansetzt, hat den Likör pünktlich zu Weihnachten trinkfertig. Das ist der Grund, warum Nocino traditionell ein Weihnachtsgetränk ist.


Welcher Alkohol passt?

Basis Stärke Was sie mit dem Likör macht
Wodka 40 % vol neutral, die Nuss steht allein vorne. Die sichere Wahl
Korn 36 % vol weiche Getreidenote im Hintergrund, passt sehr gut zu gerösteten Nüssen
Brauner Rum 35 bis 40 % vol Karamell und Vanille verstärken die Röstaromen, weihnachtlich
Weinbrand oder Cognac 38 % vol bringt eigene Tiefe mit, teurer und dominanter

Unsere Empfehlung: unser Wodka mit 40 % vol, wenn der Likör klar nach Nuss schmecken soll. Wer eine weichere Variante will, nimmt den Vest Weizen, einen klaren Weizenbrand mit 34 % vol aus eigener Produktion. Für die weihnachtliche Richtung passt das Piratengold mit 35 % vol.

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Mindestens 32 % vol sollte die Basis haben. Darunter konserviert der Alkohol nicht mehr zuverlässig, und der Likör gehört in den Kühlschrank.


Cremiger Nusslikör mit Sahne

Die andere Machart: statt Wochen zu warten, wird alles gekocht und ist am selben Tag fertig.

  • 200 g geröstete, fein gemahlene Haselnüsse
  • 400 ml Sahne
  • 200 ml gezuckerte Kondensmilch
  • 150 g Zucker
  • 250 ml Wodka

Nüsse, Sahne, Kondensmilch und Zucker in einem Topf unter Rühren erwärmen, nicht kochen, etwa 10 Minuten ziehen lassen. Abkühlen lassen, dann den Wodka einrühren und durch ein feines Sieb abfüllen.

Wichtig: Diese Variante enthält Milchprodukte und liegt bei etwa 10 % vol. Sie gehört in den Kühlschrank und hält nur vier Wochen. Für Geschenke, die verschickt werden, ist sie nicht geeignet.


Der Zeitplan bis Weihnachten

Likör Ansetzen Ziehzeit Trinkfertig
Cremiger Nusslikör jederzeit keine sofort, 4 Wochen haltbar
Haselnusslikör bis Anfang November 4 bis 8 Wochen plus 2 Wochen Reife rechtzeitig zu Weihnachten
Walnusslikör (Nocino) Ende Juni 8 Wochen plus 3 Monate Reife Weihnachten desselben Jahres

Für den Haselnusslikör ist Anfang November der letzte sinnvolle Termin, wenn er zu Weihnachten fertig sein soll. Wer früher ansetzt, bekommt einen runderen Likör, weil die Reifezeit länger ist.


Wenn er nicht schmeckt

Problem Ursache Was du tun kannst
Schmeckt kaum nach Nuss Nüsse waren nicht geröstet Lässt sich nachträglich nicht retten. Beim nächsten Mal rösten
Bitter Nüsse zu dunkel geröstet oder Häute mit drin Goldbraun statt dunkelbraun rösten, Häute entfernen
Trüb Nüsse zu fein gemahlen oder ausgepresst Grob hacken, beim Abseihen nicht drücken. Nachträglich durch einen Kaffeefilter
Zu scharf zu kurz gereift Weitere Wochen stehen lassen, er wird deutlich milder
Zu süß zu viel Kandis Mit etwas Basis-Spirituose strecken
Ölfilm auf der Oberfläche Nussöl, völlig normal Abschöpfen oder durch einen Kaffeefilter geben

Fertig statt selbst ansetzen

Acht Wochen sind lang, und nicht jedes Geschenk lässt sich so weit im Voraus planen. Für alle, die den Geschmack ohne Wartezeit wollen, gibt es bei uns den Nugello: ein Likör mit intensivem Haselnusscharakter und feiner Nougatnote, samtweich und moderat süß.

Er passt pur auf Eis, als Abschluss nach dem Essen oder über Eis-Desserts. Mit 17 % vol ist er deutlich milder als ein selbst angesetzter Nusslikör, was ihn zugänglicher macht.

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Wer beim Selbermachen bleiben will, findet in unseren Ratgebern auch Schlehenlikör, Eierlikör und die Weihnachtsliköre.


Häufige Fragen zum Nusslikör

Wie macht man Haselnusslikör selbst?

250 g geröstete, grob gehackte Haselnüsse mit 250 g braunem Kandis und einer Vanilleschote in ein Glas geben, mit 700 ml Wodka oder Korn aufgießen und vier bis acht Wochen kühl und dunkel ziehen lassen. Danach abseihen und zwei Wochen nachreifen lassen.

Müssen die Nüsse geröstet werden?

Ja, das ist der wichtigste Schritt. Rohe Haselnüsse geben kaum Aroma an den Alkohol ab. Erst beim Rösten bei 180 Grad entstehen die Röstaromen, die den Likör ausmachen. Goldbraun rösten, nicht dunkel, sonst wird er bitter.

Was ist der Unterschied zwischen Haselnuss- und Walnusslikör?

Haselnusslikör wird aus reifen, gerösteten Nüssen gemacht und schmeckt nussig-süß. Walnusslikör entsteht aus grünen, unreifen Walnüssen mit Schale, ist tiefdunkel und schmeckt herb-würzig. Grüne Walnüsse gibt es nur Ende Juni.

Wann erntet man grüne Walnüsse für Likör?

Traditionell um den 24. Juni. Entscheidend ist, dass sich die Nuss samt Schale noch mit einem Messer durchschneiden lässt. Ab Anfang Juli verholzt sie und ist nicht mehr geeignet.

Wie lange muss Nusslikör ziehen?

Haselnusslikör vier bis acht Wochen, danach mindestens zwei Wochen Nachreifen. Walnusslikör sechs bis acht Wochen plus drei Monate Reifezeit, weil er frisch noch scharf und bitter schmeckt.

Welcher Alkohol eignet sich für Nusslikör?

Wodka für einen klaren Nussgeschmack, Korn für eine weichere Variante, brauner Rum für die weihnachtliche Richtung. Die Basis sollte mindestens 32 Prozent vol haben, damit der Likör haltbar ist.

Wie lange ist selbst gemachter Nusslikör haltbar?

Kühl und dunkel gelagert über ein Jahr, sofern er über 20 Prozent vol liegt. Die cremige Variante mit Sahne hält nur vier Wochen und muss in den Kühlschrank.

Warum ist mein Nusslikör trüb?

Meist wurden die Nüsse zu fein gemahlen oder beim Abseihen ausgedrückt. Grob hacken und beim Filtern nicht drücken. Nachträglich hilft ein Kaffeefilter.


Hinweis: Dieser Beitrag richtet sich an Personen ab 18 Jahren. Alkohol in Maßen genießen.

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